Verletzungen

Schnell sind sie passiert, doch nur langsam

wieder repariert«. Unter diesem Motto lassen sich Heilungs- und Regenerationsprozesse nach akuten Verletzungen zusammenfassen. Wie können Sie nun die Wundheilung optimal unterstützen?
Verletzungen benötigen, entsprechend ihres Ausmaßes, mehrere Tage bis Wochen damit der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist. Man kann eine Einteilung treffen, die sich am Verletzungsort orientiert:
Verletzungen der Haut durch Schnitte, Abschürfungen, Verbrennungen usw.
Verrenkungen der Gelenke durch Stürze, Umkippen, etc.
Zerrungen, Quetschungen, Prellungen der Muskulatur als Unfallfolge.
Eine Behandlung durch nichtmedizinisches Personal wird – abgesehen von der ersten Hilfeleistung – immer auf leichte Verletzungen beschränkt bleiben, weil nur ein Arzt die richtige Behandlung einleiten und die zu erwartenden Unfallfolgen abschätzen kann. Deswegen sollten tiefe, stark blutende Wunden, Bisswunden, ausgedehnte Abschürfungen, große Brandwunden, schwere Verrenkungen mit massiven Gelenksschwellungen und vermutete Knochenbrüche immer von einem Arzt begutachtet werden.


Hautverletzungen
Ihre Ursachen sind so vielfältig wie die Folgen. Gewalteinwirkungen, wie z.B. nach einem Schnitt oder Schlag, lässt die Haut klaffen bzw. platzen. Ein (Ab)Rutschen auf rauem Boden führt zu mehr oder weniger großflächigen Abschürfungen bzw. der Kontakt mit heißen Flüssigkeiten hat Verbrühungen ohne oder mit Blasenbildung zur Folge. Was ist jeweils zuerst zu tun?
Schnittwunden
Kleineren Schnittwunden lässt man ausbluten, größere soll man mit reinem Leitungswasser ausspülen. Daran schließt sich eine Desinfektion mit einem nichtalkoholischen Desinfektionsmittel an. Wegen unschöner Narbenbildung und möglicherweise nicht erreichbaren Schmutzpartikel sollten tiefere und größere Wunden vom Arzt gereinigt und danach fachgerecht versorgt werden. Dasselbe gilt für Bisswunden, wo das Tollwutrisiko eine zusätzliche, gefährliche Rolle spielt. Ist Ihre Tetanus-Imfpung übrigens noch frisch genug?
Rissquetschwunden
Rissquetschwunden sind das Ergebnis von stumpfer Gewalteinwirkung. Sie bilden klaffende, stark blutende Wunden mit zerfetzten Wundrändern. Zur besseren Abheilung müssen die Hautreste entfernt und die Wundränder genäht oder mit Pflasterstreifen zusammengehalten werden. Insbesondere im Kopfbereich drohen sonst entstellende Narben. Wer später als nach 6 Stunden zum Arzt geht läuft Gefahr, dass dieser wegen der Infektionsgefahr die Wunde nicht mehr nähen kann.

Hautabschürfungen
Hautabschürfungen muss man besonders gut reinigen. Dazu dient fließendes Leitungswasser. Mit einem frischen Taschentuch lassen sich anhaftende gröberen Verunreinigungen entfernen. Gegenebenfalls kann man das Taschentuch mit dem Desinfektionsmittel tränken und damit die Wunde säubern. Ansonsten lässt man das wässrige Desinfektionsmittel einfach über die Wunde fließen. Nur kleinflächige Schürfwunden bleiben unbedeckt, weil sie dabei besser trocknen und sich dadurch bald eine schützende Kruste bildet. Großflächige Abschürfungen nässen und benötigen einen saugfähigen Schutz, der die Wunde einerseits vor Verschmutzung und mechanische Einflüsse abschirmt und andererseits die Wundheilung fördert.

Brandwunden
Brandwunden entwickeln sich entsprechend der thermischen Kontaktzeit mit dem Feuer oder der heißen Flüssigkeit. Wer sich verbrennt oder verbrüht sollte die betroffene Körperstelle sofort intensiv und nachhaltig mit Leitungswasser kühlen. Tut man dies nicht, erfolgt im Organismus ein sogenanntes »Nachbrennen«, d.h. der thermische Schaden verstärkt sich auch dann noch, wenn gar keine Hitze mehr einwirkt. Nachhaltig kühlen bedeutet rund 10 Minuten lang kaltes Leitungswasser darüber rinnen lassen!

Verbandmittel
Verbandmittel sollten sich dort befinden, wo man sie benötigt, also in der Haus-, Garten oder Autoapotheke. Bei der richtigen Zusammenstellung kann Ihnen Ihre Apotheke beratend zur Seite stehen, weil sie aus der Vielfalt der Produkte jene empfehlen wird, die für Ihre Ansprüche am besten geeignet sind. Bekanntlich gibt es unter den Materialien, welche direkt mit der Wunde in Kontakt kommen, solche, die nur das Sekret aufnehmen und andere, die zusätzliche wundfreundliche und heilungsfördernde Eigenschaften besitzen, diese sind deswegen auch ein bisschen teuerer.
n inaktive Wundkompressen liegen auf der Wunde auf und übernehmen den Wundschutz vor Keimen und mechanischen Belastungen. Das verwendete Material besteht aus keimfreien Baumwoll-, oder Zellstoffgewebe (Mull), das relativ viel Gewebeflüssigkeit aufnehmen kann, aber danach mit der Wunde verklebt. Dadurch wird beim Verbandswechsel die gebildete Kruste immer wieder abgerissen, was Schmerzen verursacht und den Heilungsverlauf verzögert.
aktive, wundfreundliche Auflagen decken die Wunde so ab, dass innerhalb des Verbandes ein feuchtes Klima entsteht, welches die Wundheilung sehr fördert. Es gibt metallinisierte Wundauflagen die mit Aluminium oder Silber bedampft sind. Durch die gestanzten feinen Löcher tritt das Wundsekret in einen dahinter liegenden Saugkörper, der dank der Metallfolie mit der Wunde nicht verkleben kann. Zusätzlich gibt es noch spezielle Wundauflagen, die z.B. mit einer antibakteriellen Salbe beschichtet sein können.
Was mit einem einfachen Fingerverband als »Heftpflaster« mit kleinem Saugpolster begonnen hat, ist heute ein höchst komplexes Gebiet geworden, bei dem der fachmännische Rat des Apothekers bei der Auswahl immer wieder gefragt ist.

Wund und Heilsalben
Wund und Heilsalben aus der Hausapotheke dürfen nicht abgelaufen sein und müssen sachgerecht angewendet werden. Dazu gehören folgende Einsatzregeln:
auf frische Wunden haben Salben und Cremen nichts zu suchen. Von Wundpudern ist man überhaupt abgekommen.
nässende Wunden benötigen Gele.
Cremen sind dann anzuwenden, wenn sich gerade neues Gewebe bildet und
Salben dienen zur Behandlung von Wunden, die schon mit einer Kruste bedeckt sind.
Wund- und Heilsalben können verschiedene heilungsfördernde Komponenten enthalten, manche besitzen noch zusätzlich keimhemmende Stoffe und sind dann für schlecht heilende, infizierte Wunden gedacht.

Narbenpflege
Nach einer Verletzung ersetzt Bindegewebe den geschädigten Hautbezirk. Es wird also nicht der ursprüngliche Hautzustand wieder hergestellt. Das Narbengewebe enthält daher keine Schweißdrüsen, oder Haarwurzeln und ist auch anders gefärbt. Erst nach Jahren verliert sich die meist rötliche Verfärbung und die Narbe verblasst. Mehr Probleme verursacht die fallweise überschießende Produktion von Narbengewebe, die unter der Bezeichnung »Keloid« bekannt ist. Diese Bindegewebswucherung entsteht erst Wochen bis Monate nach der Abheilung der Verletzung und hebt sich strangförmig von der Haut ab. Manchmal juckt sie auch, doch in erster Linie stört sie kosmetisch. Manche Menschen neigen zu solch einer Bindegewebswucherung, die über das Narbenfeld hinausgeht und unbeschädigte Hautpartien erfasst. Es gibt Salben bzw. Gele mit pflanzlichen Inhaltsstoffen – Bilsenkrautöl und Zwiebelextrakt –, die die Keloidbildung mehr oder weniger unterdrücken und auf jeden Fall dazu beitragen, dass das Narbengewebe locker und geschmeidig wird.

Muskelverletzungen und Gelenksergüsse
Unsere Beweglichkeit hängt vom koordinierten Zusammenspiel der drei Elemente unseres Bewegungsapparates ab. Die Muskeln übertragen ihre Kraft auf die Bänder, die wiederum auf die Gelenke und über diese laufen dann die entsprechende Bewegungen ab. Gesteuert wird das ganze System vom Gehirn, das über Nervenbahnen mit den Muskeln in Verbindung steht. Nervenrezeptoren, sogenannte »Stellungsmelder«, signalisieren dem Zentralnervensystem die gerade eingenommene Gelenksstellung bzw. Körperhaltung. Welche Anstrengungen mit der Koordination der körperlichen Bewegung verbunden sind, sieht man bei den ersten Gehversuchen von Kleinkindern und bei Patienten, die nach langer Bettruhe erstmals wieder aufstehen dürfen.


Muskelzerrungen
Muskelzerrungen kommen durch das Zerreißen einzelner Muskelfasern zustande, ohne dass die äußere Muskelhülle davon beeinträchtigt ist. Der betroffene Muskel fühlt sich verspannt an und zeigt krampfartige Schmerzen. Eine Muskelzerrung tritt nie abrupt, sondern immer langsam auf, es kommt zu keinem Bluterguss und die Beweglichkeit bleibt weitgehend erhalten. Solche Muskelzerrungen heilen langsam aus.
Muskelfaserrisse
Muskelfaserrisse sind die Folge einer Extrembelastung, unter der zugleich mehrere Muskelfasern zerreißen. Ein plötzlicher Stich verhindert jede weitere Bewegung der betroffenen Körperpartie. Unmittelbar nach dem Stich bildet sich an der verletzten Muskelpartie eine Delle. Sie bleibt aber nicht bestehen, sondern gleicht sich bald durch eine Schwellung mehr als aus. Häufig kommt es auch zu einem sichtbaren Bluterguss, meist an einer vertikal tieferen Stelle als die Verletzung liegt.
Muskelprellungen und -quetschungen
Bei einer stoßförmigen Gewalteinwirkung werden lokale Schmerzimpulse ausgelöst, die aber nach wenigen Minuten wieder von alleine verschwinden.
Die Behandlung
Die Behandlung hängt vom Zeitpunkt ab. Unmittelbar nach dem Ereignis dominiert die Kühlung, danach die medikamentöse Entzündungshemmung. Man muss nämlich wissen, dass bei Verletzungen Zellen zugrunde gehen und Entzündungsstoffe freigesetzt werden, die zur Schwellung, Rötung und Erhitzung im betroffenen Gewebe führen. Erst nach dem Abklingen dieser Prozesse kann die Heilung und Reparatur beginnen.
Erstmaßnahmen
Die Erstmaßnahmen umfassen
1. Ruhigstellung
2. Kühlung
3. Bandagierung
4. Hochlagerung
Bei der Kühlung haben bloße Eiswürfel ausgedient. Statt dessen wird »angewärmtes« Eis und Eisbrei zubereitet. Dies geschieht durch Beigabe von Leitungswasser zu zerkleinertem Eis. Wenn es gerade geschmolzen ist gibt man einen Schuss Alkohol dazu. In die kalte Flüssigkeit taucht man Idealbinden und legt sie dann um das geschädigte Gelenk, oder den Muskel. Auf diese Weise kühlt man ohne Gefahr von Erfrierungsschäden, denn Temperaturen von 1°C werden dabei nicht unterschritten. Durch Zugabe von neuem Eis lässt sich das Temperaturniveau beibehalten. Wem die Prozedur zu aufwändig ist, kann auch Eis zerkleinern und den Eisgrieß in ein Handtuch wickeln, das man auflegt, anmodelliert und mit einer Binde fixiert. Derartige Verbände werden nach 20 Minuten abgenommen. Nach 5 Minuten Pause – damit die Durchblutung wieder in Gang kommt – beginnt die Prozedur von neuem. Einfacher ist allerdings, für den Fall der Fälle immer einen cold-hot-Beutel im Gefrierfach zu haben.

Folgemaßnahmen
Zur Bekämpfung der Verletzungsfolgen stehen schmerzstillende und abschwellend wirkende Arzneimittel zur Verfügung. Man wird sie in erster Linie als Salbe, Creme, oder Hydrogel am Ort des Geschehens einsetzen und erspart sich damit das Schlucken von Tabletten, die u.U. den Magen belasten. Eine besonders intensive Wirkung erzielen über die Nacht angelegte Salbenverbände. Man streicht die Salbe, oder die Creme messerrückenstark auf, deckt mit einer Frischhaltefolie ab und fixiert das Ganze mit einer straff angelegten elastischen Binde. Aber Achtung: alkoholhältige Gele und Präparate mit Salicylate als Wirkstoff irritieren zu stark die Haut und dürfen deshalb nicht auf diese Weise angewandt werden. Schildern Sie in der Apotheke Ihre Beschwerden und wir suchen für Sie das geeignetste Präparat aus.

Tetanus
Der sogenannte »Wundstarrkrampf« geht auf eine Infektion mit dem Tetanuserreger zurück. Diese finden sich weltweit besonders im Straßenschmutz, Blumenerde sowie in den Ausscheidungen von Nutztieren, also immer in nächster Nähe des Menschen. Kommt es nach einer Verletzung zur Infektion dann verkrampft sich nach einem wenig charakteristischen Erkrankungsbeginn die Gesichtsmuskulatur bis zu einer Kiefersperre. Lebensgefahr besteht, wenn die Atemmuskulatur von der Lähmung erfasst wird. Trotz aller Fortschritte in der Intensivmedizin versterben noch immer 20% bis 30% der Patienten.
Nach den heute gültigen Impfregeln ist eine Auffrischung eines bestehenden Tetanusschutzes bis zum 60. Lebensjahr alle 10 Jahre und danach alle 5 Jahre notwendig.
Tetanusprophylaxe: Bei unklarem Impfstatus oder bei weniger als drei Teilimpfungen erhält der Patient im Falle einer Verletzung eine Tetanusspritze und zusätzlich sofort schützende Immunglobuline gespritzt.


Faktoren, die die Wundheilung erschweren

Patientenabhängige Faktoren

höheres Alter
geschwächtes Immunsystem
Mangelerkrankungen, Fettleibigkeit
Diabetes, Tumorerkrankungen,
Medikamente wie Kortikoide, Rheumamittel (NSAR), Blutverflüssiger (Antikoagulantien), Zytostatika
Rauchen
schlechte psychosoziale Voraussetzungen, wie z.B. Demenz

wundbedingte Faktoren

Infektionen
Fremdkörper wie Puder, Salbenreste, Verbandsstoffreste
Spannungen der Haut im Wundbereich, wie z.B. an der Hand oder am Ellenbogen
Übermäßige Wundsekretbildung
Austrocknen der Wunde
Unterkühlung der Wunde
ungeeignete Wundauflage bzw. Auftragen von nicht geeigneten Medikamenten


Wir beraten Sie zu diesem Thema gerne.

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