80% der jungen Leute sind betroffen In 15% der Fälle kommt es zu schweren Verläufen
Akne ist vorwiegend ein Problem, das Jugendliche betrifft. Sie ist eine Krankheit wie jede andere und sollte so früh wie möglich behandelt werden, wobei der geeigneten Pflege besondere Bedeutung zukommt – auch weil Akne zu seelischen Problemen führen kann. Zwar ist eine Akne-Therapie bei schweren Fällen meist langwierig, aber erfolgreich. „Akne ist eine ernst zu nehmende Erkrankung: 80% aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen leiden unter Akne, 15% haben mit einer schweren Form von Akne zu kämpfen“, weiß die Mödlinger Dermatologin Dr. Manuela Jansa im Gespräch mit »Die Apotheke« zu berichten. Bei 10% dauert die Akne-Erkrankung sogar bis ins höhere Alter (30-er, 40-er-Lebensjahre) an. Dazu kommt, dass bis zu 50% der betroffenen Jugendlichen durch Akne auch psychisch beeinträchtigt werden: Das Selbstbewusstsein leidet, was zu mangelnden Kontakten, Problemen im Berufsleben, bis hin zur sozialen Isolation führt. Oft entwickeln sich auch depressive Verstimmungen. Jugendliche sind deswegen so häufig betroffen, weil die Talgproduktion durch einen Hormon-Schub, wie er in der Pubertät erstmals auftritt, angekurbelt wird: Das Geschlechtshormon Androgen verursacht zum einen eine Vergrößerung der Talgdrüsen mit gesteigerter Aktivität, zum anderen auch eine verstärkte „Verhornung“ der Ausführungsgänge der Talgdrüsen, wodurch der vermehrt gebildete Talg nicht abfließen kann. Damit entstehen Mitesser. Wenn sich ein Mitesser nun entzündet, entwickeln sich die allseits bekannten »Pickel« und »Pusteln«. Haut-Spezialistin Jansa rät, bei Akne schnellst möglich eine Therapie zu beginnen. „Die Therapie muss möglichst früh ansetzen, um erfolgreich zu sein“. Den Dermatologen steht eine breite Palette an Therapie-Möglichkeiten zur Verfügung: Je nach Schweregrad der Erkrankung sowohl lokal an der Haut anzuwendende als auch »systemische«, also oral einzunehmende Präparate.
Akne-Therapie erfordert Geduld Eine Akne-Therapie ist allerdings oft langwierig und komplex und erfordert viel Geduld seitens des Patienten. Dazu Dermatologin Jansa: „Die schwere Form, Akne conglobata, bedarf mindestens einer Therapie von einem halben bis drei Viertel Jahr. Aber mit dem Wirkstoff Isotretinoin können heute auch die schwerste Akne oder lang andauernde Akne-Erkrankungen unter Kontrolle gebracht werden.“ Mögliche Nebenwirkungen bei einer Isotretinoin-Therapie wie trockene Schleimhäute (etwa trockene Lippen) oder – was sehr selten vorkommt – ein leichter Anstieg der Leber- und Blutfett-Werte wiegen weniger schwer als der Erfolg der Therapie. Bei verhärteten Knoten und so genannten Fistelgängen, die sich unter der Haut bilden können, sind chirurgische Eingriffe und bei Talg-Zysten auch Kälte-Anwendungen weitere Methoden, die der Arzt anwenden kann.
Laser und Peelings Auch eine Behandlung mittels Laser ist möglich. Der Laser kann etwa eingesetzt werden, um Narben, die durch unbehandelte, schwere Akne entstanden sind, zu bessern. Durch die Methode ist aber bestenfalls eine Reduktion, und keine völlige Beseitigung der Narben möglich. „Am besten ist freilich, man lässt Narben durch frühzeitige Therapie gar nicht erst entstehen“, kommentiert Dr. Jansa. Eine weniger stark ausgeprägte Akne kann man auch durch milde Formen des »Chemical Peelings« behandeln: Dabei wird in Abständen von ein bis drei Wochen mittels Fruchtsäure-Anwendung, die der Hautarzt durchführt, die Haut geschält und somit erneuert. Die Folge ist ein feineres und glatteres Hautbild. Darüber hinaus lässt sich auch eine allgemeine Regeneration tieferer Hautschichten erreichen. Die Methode wird auch bei Aknenarben sowie bei feiner Fältchenbildung und unregelmäßiger Pigmentierung angewandt.
Mittel aus der Apotheke Im Anfangsstadium, bei leichten Akneformen, können rezeptfreie Präparate gegen unreine Haut aus der Apotheke angewandt werden. Wenn aber nach einiger Zeit Mitesser und Pickel nicht verschwinden, ist der Weg zum Hautarzt angesagt. Entsprechende Pflegemittel gibt es etwa von den Häusern La Roche Posay, Avene,Louis Widmer, Pierre Fabre oder Dermatica exclusiv. Es werden in der Apotheke auch gute Abdeck-Produkte angeboten, mit denen Pusteln kaschiert werden können, ohne die Haut zu schädigen. Generell, so Dr. Jansa, gilt es, im Falle von Akne bei der Make-up-Auswahl besonders wählerisch zu sein. Manche Kosmetika wirken sich nämlich eher negativ auf die Haut aus und können erst recht Akne entstehen lassen. Es zahlt sich daher aus, sich in der Apotheke beraten zu lassen!
Ausgewogene Ernährung ist wichtig Obwohl die Neigung zu Akne vererbt wird – wenn beide Elternteile daran litten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch Tochter oder Sohn Akne bekommen – kann man einiges tun, um vorzubeugen. Hautexpertin Jansa: „Der rechtzeitige Behandlungsbeginn ist die wichtigste Maßnahme! Eine »Akne-Diät« jedoch gibt es nicht. Ich empfehle eine ausgewogene Ernährung, diese ist für den gesamten Organismus wichtig und somit auch für eine gesunde Haut. Das heißt nicht, dass strenges Naschverbot gilt, aber eine allzu einseitige Nahrungsaufnahme – etwa nur Junkfood und Süßigkeiten – wirkt sich sicher ungünstig aus. Negative Folgen hat manchmal auch ein Zuviel an Vitamin B.“ Das Rauchen ist ebenfalls ein negativer Einflussfaktor. „Wissenschaftliche Untersuchungen belegen deutlich, dass Rauchen für die Haut extrem schlecht ist“, so Dr. Jansa. „Es ist auch Teil der Akne-Therapie, mit dem Rauchen aufzuhören.“ Und die Spezialistin warnt auch vor zu viel Sonne bzw. Solarium-Besuchen, denn „die UV-Einstrahlung kann verzögert durch vermehrte Verhornung zu einer Verschlechterung der Akne führen“. Auch Medikamente wie Kortison, Antiepileptika, Antidepressiva und auch die »falsche« Pille können bei vorhandener Akne-Disposition als Auslöse-Faktor wirken. Wohingegen die »richtige« Pille Akne entgegenwirken kann (siehe Seite 26). Ihr Apotheker weiß dazu Bescheid.
Absolutes Drückverbot Ungünstig ist übrigens das von Jugendlichen oft praktizierte Herumdrücken an Akne-Pusteln oder Poren. Dies hat sehr negative Folgen für die Haut. Wenn man nämlich an sichtbaren Poren herumdrückt, können erst recht Entzündungen entstehen – man spricht dann von »Kratzakne« (Akne excoriée). Besonders junge Frauen sind davon betroffen. Die oberste Maxime lautet daher: Es gilt absolutes Drückverbot!
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