Nützen Probiotika dem Darm wirklich?

Probiotika sollen die Darmflora positiv beeinflussen, vor Magen-Darm-Infektionen schützen und bei vielen Erkrankungen – gastrointestinalen wie auch außerhalb des Verdauungstrakts – helfen. Doch was ist wissenschaftlich belegt? Wann und warum können die kleinen Gesundheitsbringer ihre Wirkung tatsächlich entfalten? Und vor allem: wie?
Probiotika sind definitionsgemäß lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und dadurch positive gesundheitliche Wirkungen erzielen. Seit vielen Jahren werden lebende Organismen bereits zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Wurde die Effektivität dieser Behandlungsmethode bis vor kurzem vielfach in Frage gestellt, so mehren sich in hochrangigen Journalen Publikationen zu kontrollierten Studien, die über Therapieerfolge mit Probiotika berichten.

Den irritierten Darm beruhigen
Aufgrund der oralen Anwendung von Probiotika sind Auswirkungen auf die Gesundheit des Darms nachvollziehbar. Als unbestritten gilt mittlerweile die prophylaktische und therapeutische Wirkung bei Reise- und antibiotikaassoziierten Durchfallerkrankungen. Prof. Rémy Meier vom Kantonsspital Liestal (CH) verweist darüber hinaus auf neue und zum Teil unkonventionelle Therapieansätze bei funktionellen und entzündlichen Darmerkrankungen wie etwa Reizdarm, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bei denen Probiotika und Eier des Schweinepeitschenwurms zum Einsatz kamen.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Darmflora auch bei Reizdarm eine wichtige Rolle spielt. Verschiedene Probiotikastämme zeigen einen positiven Effekt auf die Beschwerden beim Reizdarm, wobei nur jeweils einzelne Symptome (z.B. Lactobazillen zur Verbesserung von Blähungen) nicht aber das gesamte Symptombild gebessert werden konnte. Lactobazillen und Bifidobakterien zeigten sich dabei besonders effektiv. Auch in der Helicobacter pylori-Therapie führte der Einsatz von Probiotika, in diesem konkreten Fall Lactobazillen, zu einer Besserung des klinischen Bildes.

Die Wissenschafter betonten, dass probiotische Effekte immer stammspezifisch sind. Das heißt: Ist der gesundheitsfördernde Effekt bei einer Erkrankung für einen bestimmten Bakterienstamm nachgewiesen, bedeutet das nicht automatisch, dass alle probiotischen Joghurts über diese Wirkung verfügen.

Einige Fragezeichen bleiben bestehen
Als relativ überzeugend stellt Univ. Prof. Dr. Almuth Hauer, Kinderärztin an der Medizinischen Universität Graz, die Datenlage hinsichtlich der Wirkung von Probiotika im Magen-Darm-Trakt dar. Besonders effektiv und gut dokumentiert ist die Therapie von Durchfallerkrankungen bei Kindern. Hoffnung schöpft die Medizin auch hinsichtlich möglicher Einsatzgebiete außerhalb des Verdauungstrakts, so zum Beispiel im Urogenitaltrakt oder den Atemwegen. In diesen Fällen müssen aber noch weitere Studien folgen, bevor Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen werden können. Als unzureichend schätzen die Experten außerdem die Datenlage hinsichtlich der Vorbeugung von Frühgeburten infolge vaginaler Infektionen während der Schwangerschaft ein, wenngleich die Hinweise aus den Untersuchungen dazu durchaus Beachtung verdienen.

Soviel ist sicher
Grundsätzlich kann man heute davon ausgehen, dass unerwünschte Nebenwirkungen einer Probiotikagabe kaum zu erwarten sind. Zum Einsatz kommen ausschließlich apathogene Keime. Außerdem siedeln sich die eingesetzten Mikroorganismen nicht dauerhaft im Darm an, weshalb die Wirkung nur solange anhält, solange das Probiotikum verabreicht wird. Die Experten fordern aber, dass ausschließlich solche Probiotika zum Einsatz kommen sollten, die natürlicherweise im Darm vorkommen (z.B. Lactobazillen und Bifidobakterien) und die außerdem keine Antibiotikaresistenz besitzen.

Blühender Bakterienrasen im Darm
Der Darm stellt mit 400 m2 Oberfläche eine riesige Kontaktfläche zur Umwelt dar. Bei der Erfüllung seiner Aufgaben muss er widersprüchlichen Herausforderungen gerecht werden: Er muss für Nährstoffe durchlässig sein, gleichzeitig aber Giftstoffen und Krankheitserregern Einhalt gebieten (= Barrierefunktion). Dabei wird der Darm von der Darmflora unterstützt. Die Darmflora ist – wie der Fingerabdruck – von Mensch zu Mensch verschieden. Probiotika beeinflussen die Darmflora positiv, indem sie sich an die Darmwand anheften und dadurch krankmachende Keime verdrängen und am Eindringen in den Körper hindern.

 

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