Neurodermitis ist eine Krankheit, die die Lebensqualität massiv beeinflussen kann. Doch mit dem richtigen Maßnahmen-Mix – Eigenmaßnahmen, medikamentöser Therapie und richtiger Pflege – kann man die Krankheit gut in den Griff bekommen.

Intensiver Juckreiz, Hautentzündungen, massive Einschränkungen im täglichen Leben – das sind die Eckpfeiler einer besonders unangenehmen Hautkrankheit: Neurodermitis. Jeder zwölfte Erwachsene und jedes fünfte bis siebente Kind leiden unter dieser auch als »atopische Dermatitis« bezeichneten Krankheit, Tendenz steigend – in den letzten 30 Jahren hat die Zahl der Neurodermitis-Fälle um 30 Prozent zugenommen.
Neurodermitis gehört mit Asthma und Heuschnupfen zu den allergischen Krankheiten. Wenn die Eltern darunter leiden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch ihre Kinder betroffen sind. Aber auch Umweltfaktoren spielen eine große Rolle: Extrem hohe oder niedrige Temperaturen, raue Stoffe an der Haut, Stress und Angst – all das kann ebenfalls Neurodermitis auslösen.

Kratzen hat schlimme Folgen
In einer aktuellen Umfrage des »Neurodermitis-Forums«, dem führende Ärzte Österreichs angehören, berichteten über 90 Prozent aller Betroffenen, dass sie in letzter Zeit an rauer, juckender oder schmerzhafter Haut gelitten haben. Das Jucken ist dabei das am meisten störende Symptom der Neurodermitis. Es führt dazu, dass die Betroffenen ein unkontrolliertes Verlangen haben, sich häufig zu kratzen. Was allerdings negative Folgen hat: Denn die aufgekratzte Haut entzündet sich dadurch recht schnell, nässt und bildet Krusten. Auch wenn es für die Betroffenen daher schwierig ist, heißt die oberste Maxime bei Neurodermitis: Nicht kratzen!

60% der Neurodermitiker schlafen schlecht
Der Einfluss der Neurodermitis auf die Lebensqualität der Betroffenen ist oft gravierend: Der dauernde Juckreiz führt zum Beispiel zu Schlafstörungen. 60 Prozent der Neurodermitis-Kranken fühlen sich nachts »immer« oder »manchmal« beeinträchtigt, zitiert Univ. Prof. Dr. Werner Aberer, Dermatologe an der Medizinischen Universität Graz und Präsident der österreichischen Dermatologengesellschaft aktuelle Umfrage-Daten. Sport und andere anstrengende Tätigkeiten sind nur noch eingeschränkt möglich, da der Schweiß in die offenen Hautstellen eindringen und Schmerzen verursachen kann.

Auch das Berufsleben wird beeinflusst
Bei knapp der Hälfte der Betroffenen wirken sich die Hautveränderungen zudem auf das Selbstwertgefühl aus: Sie geben an, zumindest »manchmal« verlegen oder gehemmt zu sein. Auch auf die Arbeit hat Neurodermitis einen nicht zu unterschätzenden Einfluss: Insgesamt fühlen sich laut Umfrage 50 Prozent der Betroffenen beim Lernen oder Arbeiten von der juckenden, entzündeten Haut gestört und können sich daher nicht mehr so gut konzentrieren. Manchmal bleibt der Beruf auch völlig auf der Strecke – insbesondere wenn Arme, Beine oder Hände von der Krankheit schwer betroffen sind. Eine Krankenschwester berichtete, dass sie ihren Beruf aufgeben musste, nachdem sie drei Jahre lang vergebens versuchte, ihre Neurodermitis in den Griff zu bekommen.

Kinder leiden weniger
Während Erwachsene oft sehr stark von der Neurodermitis beeinträchtigt sind, fühlen sich Kinder – obwohl bei ihnen die gleichen Symptome in gleicher Schwere auftreten – weniger von der Krankheit gestört. Sie lassen sich im täglichen Leben kaum beeinflussen. Offenbar können Kinder also besser mit der Krankheit umgehen als Erwachsene. Dementsprechend sind es die Eltern, die sich mehr Sorgen machen als ihre eigenen, von der Krankheit betroffenen Kinder: Während »nur« 48 Prozent der betroffenen Kleinen »immer« oder »manchmal« in getrübter Stimmung sind, geben 63 Prozent der Eltern an, zumindest zeitweise von emotionalen Problemen wie Depression, schlechtem Gewissen oder Frust betroffen zu sein.
Doch Frustration ist nicht unbedingt angebracht – denn gegen Neurodermitis kann man etwas tun. Es sind viele Einzelmaßnahmen, die der Betroffene selbst setzen kann:
Tägliche Feuchtigkeitspflege: Apotheker und Ärzte raten Neurodermitis-Betroffenen, ihre Haut täglich mit guten Feuchtigkeitspflege-Produkten einzucremen. Nur so bleibt die Haut geschmeidig, und Juckreiz wird verhindert. Bei starkem Juckreiz und Schuppenbildung ist etwa die Körpermilch »Hydra-Physio« bzw. als Dusch- und Badegel »Douche-Physio« von Vichy empfehlenswert.
Ölbäder: Wirksam sind medizinische Bäder mit ölhältigen Badezusätzen. Die Öle wirken sich regulierend auf die Hautoberfläche aus und machen die Haut wieder geschmeidig und somit weniger anfällig für Juckreiz und Schuppenbildung. Zwei bis drei mal wöchentlich soll so ein Vollbad genommen werden, empfehlen Apotheker.
Anwendung von Nachtkerzenöl: Ebenfalls einen hohen Stellenwert in der Eigen-Behandlung bei Neurodermitis und generell bei trockener, spröder Haut hat das so genannte Nachtkerzenöl. Erst in neuerer Zeit entdeckten Forscher, dass das Öl der Samen des Nachtkerzen-Gewächs hohe Anteile an Gamma-Linolensäure enthält – einer wichtigen Fettsäure, von der Neurodermitis-Patienten zu wenig aufweisen. Die Anwendung von Nachtkerzenöl regeneriert die Zellen und revitalisiert alternde Zellen. Es macht die Haut wieder weich und geschmeidig. Nachtkerzenöl kann als Präparat eingenommen oder auch als Cremebad angewendet werden.

Fragen Sie Ihren Apotheker!
Richtige Ernährung: Neurodermitis-Betroffene müssen besonders auf ihre Ernährungsgewohnheiten achten. Nahrungsmittel wie Milch, Fisch, Eier, Nüsse, Mandeln und Hülsenfrüchte sind potenzielle Allergene und daher eher zu meiden. Andere Lebensmittel wie Zitrusfrüchte, Alkohol oder Schokolade in größeren Mengen können Juckreize und Ausschläge verstärken. Geeignet hingegen sind zum Beispiel Reis, Lamm- und Putenfleisch, Gemüsesorten wie Brokkoli, Karfiol und Gurken, sowie Schwarztee und Mineralwasser als Getränke.
Vorsicht vor »Reiz«-Wäsche: Wolle, Synthetik oder chemische Stoffe wie Formaldehyd, die mitunter in den Fasern der Kleidungsstücke vorhanden sind, können die Haut über Gebühr reizen und sollen daher vermieden werden. Hingegen ist Wäsche aus Naturfasern oder Baumwolle sehr gut für Neurodermitis-Patienten geeignet. Beim Waschen der Kleidungsstücke sollte man auf allergenfreie Waschmittel zurückgreifen und Weichspüler meiden.

Wer diese fünf Tipps beachtet, tut schon viel für seine Haut und kann Juckreiz, Rötungen und Entzündungen der Haut zumindest teilweise vorbeugen. Zusätzlich zu diesen Eigenmaßnahmen sollte man aber auch medizinische Therapie-Optionen erwägen:

Präparat schon im Frühstadium einsetzbar
Häufig wird der Arzt bei Neurodermitis Antihistaminika (die generell bei Allergien eingesetzt werden) oder Kortikosteroide – also kortisonhältige Präparate – verschreiben, die das Jucken der Haut lindern. Nachteil bei Kortison: Dieser Wirkstoff kann erst relativ spät im Krankheitsverlauf verabreicht werden, da sonst die Gefahr von Nebenwirkungen zu groß ist. Als Alternative stehen zwei Medikamente mit den Wirkstoffen Tacrolimus und Pimecrolimus zur Verfügung. Diese beinhalten kein Kortison und können schon im früheren Erkrankungsstadium angewandt werden. Die Cremen – vom Arzt verschrieben – können schwere Krankheitsschübe verhindern.

Lichttherapie, Homöopathie & Kuren
Erfolg versprechend sind auch spezielle Lichttherapien. Dabei wird die Haut mit UV-A- und UV-B-Strahlen behandelt; Rötungen und Juckreiz gehen deutlich zurück. Die Wirkung von UV-Strahlen kann jeder Neurodermitis-Geplagte selbst beobachten, ist doch im Sommer, wenn es mehr UV-Licht gibt, die Haut stets im besseren Zustand als im Winter.
Neben diesen schulmedizinischen Maßnahmen können aber auch alternativmedizinische Ansätze wie Akupunktur und Homöopathie weiterhelfen. Auch Bachblüten-Anwendungen, Schüßler-Salze oder die Traditionelle Chinesische Medizin können wirksam sein.
Sehr empfohlen wird Neurodermitis-Betroffenen übrigens eine Kur am Meer – speziell am Toten Meer oder an der Nordsee, wo das Wasser einen hohen Salzgehalt hat. Denn Salz ist sehr förderlich für die neurodermitisgeplagte Haut.
Mehr Informationen zum Thema Neurodermitis erhalten Sie unter: www.neurodermitisforum.at bzw. unter der Tel. Nr. (01) 333 40 40

Wir beraten Sie zu diesem Thema gerne.

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