Skandal um Lipobay (r)?
Einige Hintergrundinfos
In der vergangenen Woche geriet der Pharmariese Bayer in die Schlagzeilen: Der von ihm hergestellte Lipidsenker Lipobay (r) habe schwere Muskelschäden verursacht, wodurch über 50 Menschen auf der ganzen Welt verstarben. Aus diesem Grund wird das Präparat eingezogen und die Patienten auf andere Lipidsenker umgestellt.
Dazu gibt es aber einige Dinge noch zu sagen, denn es ist nicht so, dass diese schweren Nebenwirkungen völlig unbekannt waren und auch nicht, dass sie bewusst übergangen wurden.
Erstens traten diese Nebenwirkungen in solch starken Ausmaß nur in der höchste Dosierung (0,8 mg) auf; eine Dosierung, die in Österreich übrigens gar nicht zugelassen ist (es sind nur Dosierungen mit 0,2 und 0,4 mg erhältlich). Ausserdem wurde berichtet, dass bei den Opfern das Arzneimittel nicht wie vorgeschrieben einschleichend dosiert wurde, sondern sofort in der höchsten Dosierungsstufe gegeben wurde; was bei vielen Medikamenten ein schwerer Behandlungsfehler ist und oft zu gefährlichen Reaktionen führen kann.
Zweitens waren die Nebenwirkungen wie Muskelschäden bei weitem nicht unbekannt, zumal sie bei fast allen Lipidsenkern dieses Typs (Vastatine) auftreten. Dass sie aber so stark sind, sodass sie sogar Todesopfer forderten, liegt aber an einem anderen Grund: Lipobay (r) wurde verordnet in Kombination mit Gevilon (r), einem Lipidsenker eines anderen Typs. Diese Kombination ist aber streng verboten, , da sich Nebenwirkungen wie Muskelschäden dabei verstärken; vor ihr wird in allen pharmakologischen Unterlagen gewarnt.
Die Ursache für die Todesopfer ist daher in Behandlungsfehlern zu suchen und nicht im Präparat Lipobay (r) selbst.
