Antibiotika - richtig anwenden

Antibiotika zählen zu den wichtigsten medizinischen Entwicklungen und haben schon Millionen von Leben gerettet, vielleicht auch Ihres. Was Sie schon immer zu Antibiotika fragen wollten! Ihr Apotheker gibt Auskunft.

Unsere Umwelt teilen wir nicht nur mit Pflanzen und Tieren, sondern auch mit größtenteils unsichtbaren Lebewesen, wie den Bakterien, Pilzen und Viren. In jeder genannten Kategorie gibt es Nützlinge und Schädlinge. Bei den Schädlingen mag man an bakterielle Wundinfektionen oder an die Influenza A-Viren denken welche die »echte Grippe« bis in den hintersten Winkel unserer Erde tragen können. Nützlinge wiederum sind z.B. Bakterien zur Käse-, oder Alkoholgewinnung, bzw. ausgesuchte Viren, die Impfstoffe gegen eine Reihe von Krankheiten liefern.
Warum werden wir heute immer älter ?
Heute erreichen immer mehr Menschen das biblische Alter von 100 Jahren.
Wer im Jahr 2001 seinen 60. Geburtstag feierte hat noch eine restliche Lebenserwartung bei
Männern von 20,42 Jahren und bei
Frauen sogar von 24,25 Jahren!
Hauptverantwortlich sind dafür mehrere Faktoren:
die stabile psychische und physische Sicherheit durch die staatliche Sozialversicherung und unser Rechtssystem;
die niedrige Säuglingssterblichkeit;
der hohe Hygienestandard und
letztlich die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch Impfungen und Antibiotika.
Vorbild Natur
Antibiotische Stoffe sind keine Erfindung der Menschen, sondern sie werden schon seit Jahrmillionen von Pflanzen, Pilzen und Bakterien erzeugt, um sich im Kampf gegen andere Lebewesen durchzusetzen. Man kann durchaus von einer frühen chemischen Kriegsführung sprechen. Durch Zufall entdeckte der englische Mediziner A. Fleming 1928 bei einem Laborversuch die bakterienabtötende Wirkung eines Ausscheidungsproduktes von Pencilillium notatum, einem Schimmelpilz. Man nannte das Ausscheidungsprodukt »Penicillin«, das in abgewandelter Form noch heute in Verwendung steht. Fleming wurde von der britischen Königin 1944 in den Adelsstand erhoben und erhielt 1945 für seine Entdeckung den medizinischen Nobelpreis. Schritt für Schritt gelang es in den Folgejahren aufzuklären, auf welche Weise »Penicillin« Bakterien abtötet. Man lernte auch, »Penicillin« in großen Mengen herzustellen und mit dem gesammelten Wissen gelang es, weitere Antibiotika zu entwickeln, sodass heute 16 Antibiotikaklassen mit sage und schreibe über 160 verschiedene Antibiotika zur Behandlung der diversen Infektionskrankheiten zur Verfügung stehen.

Gefahr im Verzug
Die großzügige Verwendung des neuen Wundermittels »Penicillin« nach dem 2. Weltkrieg und die Vernachlässigung von Hygienemaßnahmen in den Krankenhäusern führte bis zum Jahr 1990 dazu, dass trotz der Verfügbarkeit immer neuer Antibiotikaklassen immer mehr Krankheitserreger gegen die vorhandenen Medikamente unempfindlich wurden. Man bezeichnet eine solche Entwicklung als Resistenzerscheinung. Gleichzeitig erlahmte der Erfindungsreichtum der Pharmaindustrie und schuf damit eine gefährliche Situation. So konnte es passieren, dass im Krankenhaus Patienten an unbeherrschbaren Infektionen starben, weil die Krankheitserreger sogar auf die schwersten Antibiotika nicht mehr ansprachen.
Auch die Patienten tragen durch Anwendungsfehler zur Entstehung von Resistenzerscheinungen gegen ihr Antibiotikum bei. Viele glauben nämlich bei der ersten Besserung der Beschwerden wie z.B. des Fiebers, dass sie schon geheilt sind und beenden ohne Kontakt zum Arzt oder Apotheker die Einnahme des Antibiotikums, bevor alle Bakterien zerstört wurden. Ein Teil der bekämpften Bakterienpopulation bleibt also weiter am Leben. Diese sind in ihrer Vitalität nur geschwächt, aber nicht abgetötet, vermehren sich und bilden eine neue Population, gegen die das verwendete Antibiotikum weit geringer oder gar nicht mehr wirksam ist.
Eine weitere Ursache für den Wirkverlust von Antibiotika ist die großzügige Verwendung im Nutztierbereich. Nur Wenigen wird die Verwendung von Antibiotika in Mischfuttermitteln bekannt sein. Ihre Beigabe beruht auf der Erkenntnis, dass die Tiere mit solchen Zusätzen besser gedeihen und früher schlachtreif werden. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in der Auswahl und Verwendung von Antibiotika bei Tieren können Human-Antibiotika in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt werden. Man sollte daher aus grundsätzlichen Erwägungen Antibiotika aus der Tiermast verbannen. Dies ist aber nur durch einen entsprechenden Druck der Käufer möglich.

Welches Antibiotikum bei welchem Infekt?
Wer sich krank fühlt wird im Normalfall Apotheker oder Arzt kontaktieren. Bei banalen Infekten, deren Verlauf gut bekannt ist, suchen viele eher in der Apotheke Hilfe. Meist handelt es sich um Erkältungen mit begleitendem Schnupfen, Husten und Halsschmerzen. Sind die Beschwerden ausgeprägter und anhaltender, ist ein Arztbesuch jedoch unumgänglich. Zahlreiche äußere Anzeichen können auf eine solche Infektion hinweisen, darunter insbesondere Fieber. Zusätzliche Informationen gewinnt der Fachmann aus dem Verlauf und dem begleitenden Beschwerdenmuster: für eine Lungenentzündung ist z.B. der rasante Fieberanstieg charakteristisch, bei der Mittelohrentzündung der stechende, tiefsitzende Ohrschmerz, bei Harnwegsinfekten der wiederholte und schmerzende Harndrang.
Fehl am Platz
Der typische Erkrankungsverlauf signalisiert dem Arzt meist schon, ob und welches Antibiotikum notwendig ist. Wenn aber beispielsweise in Amerika 50 % der Patienten wegen Halsschmerzen unnötiger Weise Antibiotika bekommen, so darf man sich nicht wundern, dass dort die entsprechenden Resistenzraten hoch sind. Man muss dazu wissen, dass bei akuter Bronchitis, Schnupfen oder Halsschmerzen Viren und nicht Bakterien die primäre Ursache für die Beschwerden sind. Hier bleiben Antibiotika, die ja über die Unterbrechung der Lebensvorgänge im Bakterium wirken, wegen des fehlenden Stoffwechsels der Viren erfolglos. Zu allem Überdruss können sie sogar schaden, wenn sie z.B. die Keimbesiedelung im Darm in Unordnung bringen und Durchfall hervorrufen. Dank der zurückhaltenden Verschreibungspraxis in Österreich sind die häufig benötigten und gut verträglichen Antibiotikagruppen der „Penicilline“ und »Makrolide« bei uns weitgehend wirksam geblieben.

 

Der Beitrag des Patienten
Es passiert im Alltag immer wieder, dass Patienten auf die tägliche Einnahme ihres Medikamentes vergessen, oder nicht die entsprechende Anzahl von Tabletten einnehmen. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Arzneien wie Hochdruckmitteln, Blutfett-Senker, Rheumamitteln etc., wo ein einzelner Einnahmefehler keine größeren Nachteile mit sich bringt, sind solche Irrtümer bei Antibiotika fatal. Denn am Infektionsort werden dann nicht die notwendigen hohen Wirkstoffspiegel erreicht, worunter die Abtötung der Bakterien leidet. Dann ist auch die optimale Präparateauswahl umsonst. Es existieren nämlich deswegen so viele verschiedene Antibiotika, weil die Anforderungen an sie so unterschiedlich sind.
Die Vielzahl der verschiedenen Krankheitskeime wird mit rund 16 Antibiotikagruppen bekämpft.
Das auszuwählende Antibiotikum muss nach dem Schlucken auch zum Infektionsort gelangen, damit die bakterielle Entzündung bekämpft wird. Die Erreichbarkeit so unterschiedliche Körperteile, wie Atemwege, Harntrakt, Haut- und Weichteile, oder Knochen über die Blutbahn ist höchst unterschiedlich. Beispielsweise werden manche Antibiotika nach dem Schlucken überhaupt nicht in den Körper aufgenommen. Sie verbleiben im Darm und eignen sich daher besonders zur lokalen Bekämpfung bakterieller Darmerkrankungen. In den Antibiotikagruppen findet man also wiederum zahlreiche Einzelvertreter mit unterschiedlichen Verteilungsmustern im Körper.
Der Abstand zwischen der Einnahme einzelner Tabletten sowie die Gesamtdauer der Einnahme ist bei Antibiotika peinlich genau einzuhalten, um die vorher beschriebenen Effekte auch wirklich zu erzielen. Je nach Art der Infektion und des zu bekämpfenden bakteriellen Erregers dauert der Behandlungszeitraum üblicher Weise 1 bis 14 Tage.

Antibiotika – richtig einnehmen!
Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob man Tabletten oder flüssige Antibiotikazubereitungen verschrieben erhält. Die Dosierung richtet sich dabei nach dem Alter bzw. Körpergewicht und der zu behandelnden Infektion. Deshalb sind verschiedene Stärken von Antibiotika im Handel.
Tabletten können zur individuellen Anpassung der Dosis mit einer Bruchrille versehen sein. Erwachsene bekommen z.B. dann eine ganze, größere Kinder eine halbe Tablette verabreicht. Man soll immer ein volles Wasserglas nachtrinken, damit die Tablette tatsächlich in den Magen gespült wird und nicht in der Speiseröhre hängen bleibt und dort womöglich die Schleimhaut irritiert oder schädigt.
n Flüssige Antibiotika sind vor allem für Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder gedacht. Ihr großer Vorteil besteht in der guten Abstimmbarkeit der Dosis auf das jeweilige Körpergewicht des Kindes. Wegen der besseren Haltbarkeit liefert sie der Hersteller als trockenes Pulver aus und der Apotheker stellt erst vor der Abgabe an Sie durch Wasserzugabe eine gebrauchsfertige Suspension her. In diesem Zustand ist sie zum baldigen Verbrauch bestimmt.
Wie allgemein bekannt, gelten für Arzneimittel genaue Regeln, wie sie einzunehmen sind: nüchtern, vor dem Essen, zum oder nach dem Essen. Die Gründe dafür sind vielfältig und können zur Verbesserung der Verträglichkeit, zur Vermeidung von Reaktionen zwischen Arzneistoff und Nahrungsbestandteile und zur Beschleunigung der Magenpassage bei magensäureempfindlichen Arzneistoffen dienen. Bei Antibiotika, die zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort in der richtigen Menge vorhanden sein müssen, um zu wirken, sind deswegen die Einnahmehinweise besonders genau zu beachten.

Gute Tipps für den Umgang mit Antibiotika
Bei der Aufbewahrung soll man immer den Anweisungen der Gebrauchsinformation folgen. Manche fertigen Antibiotikasäfte dürfen nämlich nur bei Zimmertemperatur, manche nur im Kühlschrank aufbewahrt werden. Es gibt aber sogar den Fall, dass eine gut gemeinte Aufbewahrung im Kühlschrank zur Verschlechterung des Geschmackes führt und die Einnahme vom Kind dann verweigert wird! Daher bitte immer genau auf der Packungsbeilage nachlesen.
n Kinder haben eine Vorliebe für gewisse Geschmacksrichtungen. Notieren Sie sich den Namen des jeweiligen Aromastoffes (er steht bei der Zusammensetzung im Beipacktext). Falls Ihr Kind später einmal wieder ein Antibiotikum benötigt, kann der Arzt bei der Auswahl diese Geschmacksvorliebe berücksichtigen.
Manchmal bereitet das Aufschütteln der Antibiotika-Säfte vor der Entnahme Probleme, wenn der dabei entstandene Schaum nicht zusammenfallen will. Beim Ausgießen auf den Dosierlöffel kommt dann mehr Schaum als Flüssigkeit heraus und die Konzentration an Wirkstoff fällt zu gering aus. Zum Abmessen grundsätzlich besser geeignet sind Kunststoffspritzen, weil man sie unter den Schaum eintauchen kann und dadurch die beschriebene Schwierigkeit umgeht. Fragen Sie den Apotheker nach einer solchen Spritze und bitten Sie ihn, dass er Ihnen die Dosiermenge in Milliliter für Ihr Kind aufschreibt. Bei manchen Säften wird bei der Dosierung z.B. nur »ein Dosierlöffel« angegeben!

Vorbeugung und Behandlung von begleitendem Durchfall
Während einer Antibiotikabehandlung bleiben die Bakterien im Darm von dieser nicht unbeeinflusst. Als Folge einer veränderten Darmflora ändert sich auch die Stuhlkonsistenz, sie wird weicher und kann ggf. in Durchfall übergehen. Die Einnahme von bestimmten Bakterienpräparaten gilt als einfaches, unbedenkliches Mittel gegen drohenden, oder bestehenden Durchfall und kann in jedem Alter – auch als Vorbeugung –erfolgen.
Die Magensäure hindert als Schutzschild Bakterien am Eindringen in den Darm. Man braucht also zur Behandlung widerstandsfähige Bakterien bzw. müssen sie speziell »verpackt« sein, damit ihnen die Magensäure nichts anhaben kann. Auch die Art der Einnahme beeinflusst sie.
Bakterienzubereitungen sollen den Magen rasch passieren, um die Bakterien nur kurz der Magensäure auszusetzen. Man soll entsprechende Medikamente daher im zeitlichen Abstand von etwa 1 Std. vor/nach den Mahlzeiten einnehmen.
Manche Zubereitungen in Pulverform können zur Erleichterung des Schluckens in Flüssigkeiten wie Milch, Fruchtsaft etc. eingerührt werden. Erhitzen ist zu vermeiden, damit die Vitalität der zugeführten Bakterien nicht Schaden erleidet.
Die Einnahme ist bis 2 bis 3 Tage nach Beendigung der Antibiotikabehandlung fortzusetzen, um die Normalisierung der Darmflora zu sichern.

Sommer, Sonne, Scheideninfektion

Der Sommer ist endlich da. Und mit dem Sommer auch ein häufiger Begleiter:
Die vaginale Infektion.
Viele Frauen kennen dieses Problem nur zu gut. Egal ob bakterielle Infektion oder Pilzinfektion, sie ist auf jeden Fall unangenehm.
Bakterielle Infektionen sind meist durch einen gefärbten Ausfluss gekennzeichnet, der eventuell noch fischartig riechen kann. Der Geruch entsteht durch Abbauprodukte der Erreger, die gewisse chemische Strukturen (sogenannte Amine) enthalten. Aus diesem Grund nennt man diese Art der Infektion auch »Aminkolpitis«. Jucken und Brennen können natürlich auch auftreten. Es gibt jedoch viele Frauen, die eine bakterielle Infektion in sich tragen, und gar nichts davon merken.
Pilzinfektionen des Genitalbereiches treten ebenso häufig auf. Hier sieht das Beschwerdebild etwas anders aus. Jucken, Brennen und weißer Ausfluss können als Hauptsymptome vorkommen. Auch Schwellungen können auftreten.
Es ist nun so, dass diese Erreger ein warmes und feuchtes Milieu brauchen, um sich wohl zu fühlen und sich zu vermehren. Die Körpertemperatur mit ihren 37°C ist für die Erreger ideal. Aber das alleine macht einen Pilz oder einen anderen Keim bei uns nicht unbedingt lebensfähig. Gefährlich wird es für unseren Körper erst, wenn die natürlichen Abwehrmechanismen nicht mehr so funktionieren, wie sie sollten. Damit ist der natürliche Schutz der Haut gemeint.
Die Haut besitzt einen Schutzmantel, der von Mikroorganismen gebildet wird. Diese Mikroorganismen sorgen für einen sauren pH-Wert der Haut. Ideal ist der pH-Wert der Haut bei ca. 5, in der Scheide sogar zwischen 4 und 5. Dort sind spezielle Bakterien, nämlich Laktobazillen, für die Bildung dieses Milieus verantwortlich. Durch die Anwendung von zu aggressiven Reinigungslotionen, aber auch durch Antibiotikatherapien kann diese natürliche Bakterienflora zerstört werden und so Infektionen Tür und Tor öffnen.
Worauf soll frau achten, wenn sie öfter mit diesen Beschwerden zu kämpfen hat:

Tragen Sie atmungsaktive Unterwäsche, meiden Sie Slipeinlagen

Verwenden Sie spezielle Reinigungslotionen für den Intimbereich

Vorsicht beim Geschlechtsverkehr, hier können auch Bakterien übertragen werden

Das tägliche Geschäft: hier kann Frau auch einen Fehler machen. Die Wischrichtung von vorne nach hinten sollte unbedingt eingehalten werden.

Schützen Sie vorbeugend Ihre Scheide bei Bäder-, Saunabesuchen oder während Antibiotikatherapien, indem Sie das Scheidenmilieu regulieren. Vitamin C unterstützt die natürliche Scheidenflora und stärkt so Ihren Körper im Kampf gegen Infektionen.
Leider hilft hin und wieder die ganze Sorgfalt nichts und es kommt trotzdem zu einer Infektion. In diesem Fall sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen und den Erreger feststellen lassen. Denn für jeden Keim gibt es eine entsprechende Therapie.

Diese Ratschläge gelten nur allgemein. Entsprechende Angaben zu den einzelnen Präparaten können davon abweichen.

Wir beraten Sie zu diesem Thema gerne.

copyright Österreichische Apothekerverlagsges.m.b.H